Das ung-Monster
Das Ung-Monster
Im Text-Dickicht lauern viele Sprach-Ungeheuer, die springlebendige, vergnügte Texte aus dem Hinterhalt überfallen und zu grauen, leblosen Textzombies machen. Das UNG-MONSTER ist eins davon. Es schleppt einen großen Sack mit -ungs, -heits, -keits und anderen schrecklichen Dingen mit sich, die es über einem arglosen Text auskippt. Je mehr Wörter in einem Text auf -ung, -heit oder -keit enden, desto unbeweglicher und starrer wird er. Wie kommt das ?
In Texten sorgen die Verben (Tätigkeitswörter) für Leben, denn sie allein können Handeln ausdrücken: essen, tanzen, lieben. Da aber in jedem Satz nur eine Verbgruppe Platz findet, werden viele Informationen durch andere Wörter transportiert. Vergleichen Sie folgende Sätze:
Der Tanz hat mir Spaß gemacht.
Der Tanz hat mich erfreut.
Das Tanzen hat mir Spaß gemacht.
Das Tanzen hat mich erfreut.
Alle vier Sätze sagen das Gleiche. Aber es wirkt unterschiedlich. Einer der Gründe ist der Unterschied zwischen ‘Tanz’ und ‘Tanzen’. Beide Wörter sind Substantive (Hauptwörter), aber bei ‘Tanzen’ erkennen wir die Nähe zum Verb (Tätigkeitswort) ‘tanzen’ deutlicher. Deshalb wirkt es aktiver, lebendiger.
Vergleichen Sie nun diese Sätze:
1. Durch die Vernetzung der Abteilungen fließen die Informationen viel besser.
2. Durch das Vernetzen der Abteilungen fließen die Informationen viel besser.
3. Das Vernetzen der Abteilungen lässt die Informationen viel besser fließen.
Satz 1 ist am statischsten, Satz 3 am aktivsten. Sagen sie aber alle wirklich dasselbe ? Gibt es Situationen, in denen eine der Formulierungen missverständlich sein könnte ?
Februar 2001
Das ung-Monster







