Schön ist, worüber man nicht nachdenken muss

Schön ist, worüber man nicht nachdenken muss

Schön ist …
… worüber man nicht nachdenken muss

Was Menschen anspricht, hat offenbar damit zu tun, wie eingängig ein Objekt ist: Was sich vom Gehirn leicht erkennen und verarbeiten lässt, wird meist auch als attraktiv empfunden. Das ergab eine Studie, die US-Forscher um Piotr Winkielman von der University of California jetzt in der Zeitschrift “Psychological Science” veröffentlicht haben.
Demnach erkennen Menschen Prototypen von Mustern und Formen schneller und empfinden sie als schöner als Variationen dieser Formen. Seit langem weiß man, dass Gesichter mit durchschnittlichen Zügen die größte Attraktivität aufweisen.
Die Frage war nur, warum. Bisher dachte man, dass dies auf Fitness und auf gute Fortpflanzungschancen schließen lasse. Doch “was Sie mögen, hängt davon ab, was Ihr Verstand gewöhnt ist”, so Winkielman. Dabei ist das Gehirn durchaus lernfähig. Wird es gewissermaßen auf einen neuen Prototyp trainiert, empfindet es diesen bald ebenfalls als schön.
Das könnte erklären, warum es kulturelle Unterschiede im Schönheitsempfinden gibt: In verschiedenen Kulturen sind die Menschen an verschiedene Prototypen gewöhnt und können diese Eindrücke daher am schnellsten verarbeiten.

Financial Times Deutschland, 29.9.06, S. 34

Oktober 2006

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