Motivieren in aussichtsloser Lage

Motivieren in aussichtsloser Lage

Motivieren in aussichtsloser Lage

von Shakespeare

Im Drama Heinrich der V. (verfilmt auch mit Kenneth Branagh) gibt es eine Schlüsselszene, in der das unterlegene britische Heer der französischen Überzahl scheinbar chancenlos gegenüber steht. Shakespeare lässt Heinrich zu einer auch in anderen Kontexten häufig hilfreichen Methode greifen – der Deutungsumkehr:

Westmoreland.
O hätten wir nun hier
Nur ein Zehntausend von dem Volk in England,
Das heut ohn’ Arbeit ist!

König Heinrich.
Wer wünschte so?
Mein Vetter Westmoreland? – Nein, bester Vetter:
Zum Tode auserseh’n, sind wir genug
Zu unsers Lands Verlust; und wenn wir leben,
Je kleinre Zahl, je größres Ehrenteil.
Wie Gott will! Wünsche nur nicht einen mehr!
Beim Zeus, ich habe keine Gier nach Gold
Noch frag ich, wer auf meine Kosten lebt;
Mich kränkt’s nicht, wenn sie meine Kleider tragen;
Mein Sinn steht nicht auf solche äußre Dinge:
Doch wenn es Sünde ist, nach Ehre geizen,
Bin ich das schuldigste Gemüt, das lebt.
Nein, Vetter, wünsche keinen Mann von England;
Bei Gott! ich geb um meine beste Hoffnung
Nicht soviel Ehre weg, als ein Mann mehr
Mir würd’ entzieh’n. O wünsch nicht einen mehr!
Ruf lieber aus im Heere, Westmoreland,
Dass jeder, der nicht Lust zu fechten hat,
Nur hinzieh’n mag; man stell ihm seinen Pass
Und stecke Reisegeld in seinen Beutel:
Wir wollen nicht in des Gesellschaft sterben,
Der die Gemeinschaft scheut mit unserm Tode.
Der heut’ge Tag heißt Crispianus’ Fest:
Der, so ihn überlebt und heim gelangt,
Wird auf den Sprung steh’n, nennt man diesen Tag,
Und sich beim Namen Crispianus rühren.
Wer heut am Leben bleibt und kommt zu Jahren,
Der gibt ein Fest am heil’gen Abend jährlich

Und sagt: Auf morgen ist Sankt Krispian!
Streift dann den Ärmel auf, zeigt seine Narben
Und sagt: Am Krispinstag empfing ich die.

Die Alten sind vergesslich; doch wenn alles 

Vergessen ist, wird er sich noch erinnern 

Mit manchem Zusatz, was er an dem Tag
Für Stücke tat: dann werden unsre Namen,
Geläufig seinem Mund wie Alltagsworte:
Heinrich der König, Bedford, Exeter,
Warwick und Talbot, Salisbury und Gloster,
Bei ihren vollen Schalen frisch bedacht!
Der wackre Mann lehrt seinem Sohn die Märe,
Und nie von heute bis zum Schluss der Welt
Wird Krispin-Krispian vorübergeh’n,
Daß man nicht uns dabei erwähnen sollte,
Uns wen’ge, uns beglücktes Häuflein Brüder:
Denn welcher heut sein Blut mit mir vergießt,
Der wird mein Bruder; sei er noch so niedrig,
Der heut’ge Tag wird adeln seinen Stand.
Und Edelleut’ in England, jetzt im Bett,
Verfluchen einst, dass sie nicht hier gewesen,
Und werden kleinlaut, wenn nur jemand spricht,
Der mit uns focht am Sankt Crispinustag.

November 2008

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